Rückblick – Do, 21.11.2019

Rückblick

Gitarrenklänge ziehen durch das ehrwürdige Hauptgebäude der Bauhausuniversität Weimar, Menschen strömen in das erste Obergeschoss, in den Raum 105, der mit den drei großen Atelierfenstern zu den schönsten des von Henry van de Velde entworfenen Gebäudes gehört.
Studierende des Studiengangs Baumanagement, der Architektur, der Urbanistik aber auch Architekten und Stadtplaner aus Weimar sind gekommen, um am ersten Abend der Vortragsreihe BauMusik teilzunehmen. 10 Studierende haben im Rahmen des Seminars BauMusik das Event vorbereitet und alles klappt wie am Schnürchen.
Die Hausmeister wurden eingespannt zum arrangieren der Stühle und Stellwände, Hr. Mehlhorn, der Experte der Bauhausuni für Filmaufnahmen, richtet seine Kameras ein und Hr. Hanke, der Leiter der Modellbauabteilung und des Lichtstudios der Fakultät Architektur und Urbanistik baut seine Scheinwerfer auf. Ein Kühlschrank wird noch herbeigeschafft, damit der Wein, den die Weinbar aus Weimar gesponsert hat und das Bier, dass die Ehringsdorfer Brauerei zur Verfügung gestellt hat, auch kalt angeboten werden kann. Nach der musikalischen Eröffnung begrüßt Klaus Schmitz-Gielsdorf die Gäste und erläutert das Konzept der Veranstaltung.
Die Vortragsreihe ist ein Projekt, an dem die Studierenden Projektentwicklung und Projektmanagement lernen sollen. Wie bei jedem Projekt sind Kosten und Termine zu planen, geht es um Kommunikation, Organisation und gruppendynamische Prozesse. Darüber hinaus sollen aber die 5 Referenten, die für die fünf Termine bis Anfang Februar 2020 eingeladen wurden, auch konkretes Wissen vermitteln und von ihren Erfahrung im Berufsleben und in der Welt des Planen und Bauens berichten.

Dazu begrüßt Hr. Schmitz-Gielsdorf dann als ersten Referenten Hr. Jürgen Steffens, Gründer und Partner des Architekturbüros JSWD aus Köln. Mucksmäuschenstill wird es im Saal, als Hr. Steffens eindringlich und konzentriert aber auch mit Humor anhand von 5 Projekten seines Büros die Haltung, die Herangehensweise seines Planungsteam erläutert. „Ihr müsst Geschichten erzählen mit euren Entwürfen und Gebäuden und diese Geschichte muss spannend,  stringent und einleuchtend sein,“ ist eine seiner Kernbotschaften und „ Ihr müsst eure Auftraggeber von dieser Geschichte überzeugen und diese Geschichte gegen die vielfältigen Widerstände und Bedenkenträger verteidigen und auf Kurs bleiben“.
Dass das diesem Büro gelingt, kann man an den vorgestellten Projekten nachvollziehen. Forschungsinstitute, innovative Bürogebäude und vor allen Dingen das neue Headquarter von thyssenkrupp in Essen stehen für diese Haltung. Skulpturale Großformen mit ausgefuchsten, innovativen Details entfalten eine ungeheure Wirkung, die vom Publikum mit anhaltendem und freundlichem Applaus goutiert wird. Der Referent beantwortet noch Fragen aus dem Publikum, die sich auf verschiedene Themen beziehen. Sehr interessant die Aussagen zur Anwendung von BIM, Building Infomation Modelling, ein Thema, dem sich ein Büro dieser Größenordnung unweigerlich stellen muss und die Frage, welche Bedeutung denn die Musik für den Referenten hat. „Ohne die Musik würde ich den ganzen Stress nicht aushalten“, äußert sich Hr. Jürgen Steffens, der auch ein sehr guter Gitarrist ist. Dass sein Leben nicht ganz stressfrei ist, kann man sich gut vorstellen, wen er von seinen 150 Mitarbeitern, seiner Professur in China, seinem vielfältigem Engagement in verschiedenen Institutionen und seinen vielen Projekten berichtet. Der Abend klingt aus bei einem Glas Wein und virtuosen Gitarrenklängen des Thüringer Künstlers und Musikers Thomas Offhaus im Zusammenspiel mit Klaus Schmitz-Gielsdorf. Auch der Referent greift zur Gitarre und zeigt, dass das Thema Bau und Musik eine interessante Verbindung eingehen kann.

Nachdem sich die Veranstaltung aufgelöst hat, packen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars BauMusik nochmal an, schleppen Bierkästen und Weinkisten, der Kühlschrank wird zurückgewuchtet, die Gläser eingesammelt, die Instrumente, Verstärker, Mikrofone hinuntergetragen und der Raum 105 fällt in seinen nächtlichen Schlaf und wird spätestens am 5. Dezember zum nächsten Vortrag wiedererweckt. Dann kommt Hr. Ortmann, Leiter der Regionalen Planungsstelle Thüringen und wird die Regionalplanung in die Zusammenhänge von Raumordnungsbericht, Landesentwicklungsplanung, Flächennutzungsplan und Bebauungsplan einordnen und aus seiner Praxis berichten. Und es wird wieder eine musikalische Überraschung geben, die noch nicht verraten wird.


Herr Jürgen Steffens

Das Büro JSWD wurde im Jahr 2000 von Jürgen Steffens, Olaf Drehsen und den Brüdern Konstantin und Frederik Jaspert gegründet. Die vier Partner haben ihr Architekturstudium an der RWTH Aachen absolviert. Nach dem Diplom trennten sich ihre Wege und führten in die Büros von Günter Behnisch, Schuster Architekten und Volkwin Marg (gmp).
Doch der Wunsch nach Selbständigkeit war groß, so dass sie neben den Lehrtätigkeiten bald ihre eigenen Büros gründeten. Nach mehreren Jahren wiederholt erfolgreicher Teilnahme an Wettbewerbsverfahren, schlossen sich die Büros WJD Architekten und Jaspert & Steffens Architekten am Standort Köln zu JSWD Architekten zusammen.
Heute arbeiten am Maternusplatz ca. 150 Mitarbeiter aus 30 Nationen, die seit der Bürogründung über 50 Bauten in Deutschland und im europäischen Ausland verwirklicht haben. Dabei wurde die Mehrzahl der Projekte über gewonnene Wettbewerbe akquiriert. 
In Kooperationen mit Architekturbüros in Frankreich und Luxemburg, in den USA und in China finden JSWD weitere baukünstlerische, technische und intellektuelle Inspirationen und pflegen einen partnerschaftlichen Austausch bei der Realisierung gemeinsamer Bauvorhaben.

im Einklang mit

Herr Thomas Offhaus & Klaus Schmitz-Gielsdorf

Herr Thomas Offhaus

1967 in Gotha geboren, 1988 – 92 Pädagogikstudium Kunst/Germanistik in Erfurt, 1992 -95 HGB Leipzig (Medienkunst), seit 1995 freiberuflicher Künstler (Künstlerbuch, Malerei, Installation, Musik)
2004 – 10 Universität Erfurt (wiss. Mitarbeiter, Druckgrafische Werkstätten), danach verschiedene Lehraufträge, seit 2017 Dozent für Druckgrafik und Malerei Universität Erfurt.
Lebt in Gotha.
Zahlreiche Ausstellungen und Auftritte in Ausstellungs- und Performance-Kontexten. Musikalisch beeinflusst von Jazz, Free Jazz, Neuer, intuitiver und experimenteller Musik. Gitarre seit 1981, autodidakt.

Herr Klaus Schmitz-Gielsdorf

Seit Juni 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Bauwirtschaft und Baumanagement
2012 -2018 Bürgermeister und Baudezernent der Stadt Gotha
2011 – 2012 Executive Studium „General Management“ an der HHL Handelshochschule Leipzig
2002 – 2012 Amtsarchitekt der Stadt Leipzig
2010 – 2011 Ausbildung und Anerkennung als vom Passivhausinstitut Darmstadt zertifizierter Passivhausplaner
2006 – 2009 Studium an der Universität Leipzig mit Abschluss Master of Urban Management
2000 – 2001 Ausbildung und Anerkennung als zertifizierter Fachplaner für vorbeugenden, baulichen Brandschutz
1996 – 2002 selbstständiger Architekt in Leipzig
1992 – 1996 Partner und Niederlassungsleiter des Architekturbüros Eller, Maier, Walter in Leipzig
1989 – 1992 Mitarbeiter im Architekturbüro Prof. Schürmann
1982 – 1989 Studium der Architektur an der RWTH Aachen mit Abschluss Dipl. Ing. Lehrtätigkeit
2010 – 2011 Lehrbeauftragter an der HTWK Leipzig, Hochschule für Technik, Wissenschaft und Kultur im Fach Immobilienmanagement bei Prof. Fellmann
2001 – 2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden, Fakultät Architektur, Institut für Gebäudelehre, Lehrstuhl für Industriebau bei Prof. Henn
1996 – 1997 Lehrbeauftragter an der Hochschule Anhalt, Bauhaus Dessau, für Baukonstruktion und Entwerfen
1991 – 1992 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Gebäudelehre und Entwerfen von Hochbauten und Industriebauten bei Prof. Eller